Comeback Kid – Symtoms + Cures (2010)
„G.M. Vincent & I“: Himmel, was für eine Singalong-Hymne. Eindeutig mein Hardcore Song des Herbst 2010. Oldschool und es gefällt immer noch. Ich mag die Stimme des neuen Vocalisten Andrew Neufeld. Sie ist kreischend, aggressiv und meiner Meinung nach überhaupt nicht zu vergleichen mit der von Scott Wade. Nicht schlechter, einfach anders. CBK schaffen es für mich Album für Album konstant das musikalische Level zu halten wenn nicht sogar immer besser zu werden. Die Produktion der Platten wird feiner und ausgereifter. Und: Schön, dass sie im Frühjahr wieder in Wien eine Show spielen werden. Freu mich schon!
Fazit: Hardcore ist erfreulicherweise nicht umzubringen und es gibt immer wieder positive Lebenszeichen.
Deftones – Diamond Eyes (2010)
„Das klingt ja wie in den 90ern. Kauft das heutzutage noch irgendjemand?“ hat meine beste Freundin gesagt, als ich ihr das aktuelle Album von Deftones vorgespielt habe. Anscheinend ja, und dieses Stück Musik reiht sich bei mir dieses Jahr sehr weit vorne in der Playlist ein. Nachdem ich Deftones ein paar Jahre aus den Augen verloren habe haben sie sich mit den Stücken „Sextape“ und „Beauty School“ zurück in mein Herz gespielt. Gino Moreno raunzt wie eh und je, die schweren Gitarren klingen endlich wieder wie auf „White Pony“ und passen ausgezeichnet zu einer Flasche Rotwein.
Fazit: Schön, dass es euch wieder gibt!
Selig – Von Ewigkeit zu Ewigkeit (2010)
Das ist eine Platte, die ich von vorne bis hinten durchhören kann. Besser als das Comeback-Album „Und endlich unendlich“ vorigen Jahres, wenig Neues, aber solide Qualität was die Songtexte angeht. Auf youtube findet man übrigends gute Mitschnitte vom Konzert im WUK vom vergangenen November, wo ein ausgenüchterter Jan Plewk ohne Haare grinsend auf der Bühne steht und sich freut, dass er sich freuen kann.
Fazit: Mein Mitsing-Album 2010
Evergreen Terrace – Almost home (2009)
Was gibt es hier noch viel zu berichten? Jeder, der mit mir in den letzten Monaten über Musik gesprochen hat, hat mitbekommen, dass die Musikanten rund um Andrew Carey und Craig Chaney bei mir die Spitze des Musikolymps erklommen haben und unangefochten über alles andere herrschen. Trotzdem war „Almost home“ war für mich ein Album auf den 2. Blick. Eine der CDs, die beim ersten Durchhören gefällt, wo aber die Höhepunkte fehlen. Das änderte sich schlagartig, als ich merkte, dass sich einige Melodien festsetzten. Kennt ihr das, wenn ihr in der Straßenbahn sitzt, auf einmal fällt euch diese Melodie ein, die euch nicht mehr aus dem Kopf geht? Bei mir waren diese Melodien 2010 eindeutig von „Almost home“. Mittlerweile kann ich mir ein Leben ohne „Loosing blood“ gar nicht mehr vorstellen.
Fazit: Ich baue für die Jungs irgendwann einen Altar in meinem Schlafzimmer.
Fettes Brot – Fettes (2010)
„Fettes“ ist nur eines von zwei aktuellen Live-Alben der Hamburger Sprotten-Esser, doch auf dieser Platte findet sich der neue Song „Amsterdam“ wieder, genauso wie die Cover-Version von Rio Reiser’s „Ich bin müde“ oder „An Tagen wie diesen“ (Ach, unser Falco…). Ich stehe den jazzigen Auftritten von HipHop Bands nicht unkritisch gegenüber, weil meiner Meinung nach viel vom Druck der Synth-Drums verlorgen geht. Doch hier gefällt es und kommt auch live gut an, wie das Wiener Publikum inklusive mir im Dezember im Gasometer feststellen durfte.
Fazit: Super Greatest-Hits Platte
AFI – Crash Love (2009)
„Nach Decemberunderground läßt sich Davey Havok endlich einen Bart wachsen um etwas männlicher zu sein, schlüpft in ein 60s Outfit und produziert mit seinen drei Jungs Herzschmerz für 15jährige dicke Emo-Mädchen. Interessiert das jemand?“ Das war mein Eindruck beim ersten Durchhören der Platte. Ich hab sie weggelegt. Drei Monate später wieder aufgegriffen. Nach dem 10ten Mal anhören bin ich umgestimmt, es gefällt. Die Songs, die am Anfang sehr ähnlich scheinen bekommen Charakter, werden rockig, melodiös und sind ernst zu nehmen. Mittlerweile hat „Crash love“ in meiner Sympathieskala noch nicht ganz „Sing the sorrow“ überholen können, aber es ist nicht ausgeschlossen, dass es das irgendwann tut.
Fazit: Wird einfach nicht langweilig
As I lay dying – The powerless rise (2010)
Was ist das, was AILD so herausstechen läßt? Die Stimme ist gut, aber ähnlich zu anderen Metal-Core Bands. Die melodiösen Gitarren findet man bei anderen Combos auch. Double-Bassdrum haben sie bestimmt nicht erfunden. Und doch hat „The powerless rise“ wieder das gewisse Etwas das es braucht um sich nicht in die Reihe von identischem Gebrülle einzureihen sondern besonders zu gefallen.
Fazit: Nochmal spielen und dieses Mal noch lauter bitte!
Foo Fighters – Greatest Hits (2009)
Die schlechte Nirvana-Nachfolger-Band von Dave Growl überzeugt nicht durch besondere Kreativität sondern durch Beständigkeit. So ist das Sammelsurium ihrer Singles durchaus ein Werk, dem besondere Aufmerksamkeit gebührt. Easy Listening zwischendurch wenn man dem Geschrei überdrüssig ist.
Fazit: Wunderschöne Autofahrmusik
Oasis - Time flies… 1994-2009 (2010)
Diese Platte fällt in meine Kategorie: „Verdammt, jetzt habe ich es geschafft ein Weibchen in meine Wohnung zu locken, was leg ich jetzt auf?“ Die Ärzte decken in „Schrei nach Liebe“ ja auch auf, dass auch jeder Schläger Kuschelsongs im Regal für solche Situationen stehen hat. Also ist es legitim dazu zu stehen, den weinerlichen Gesängen der sich liebenden Brüder Britanniens musikalisches Können zuzugestehen. Ob sie dafür den Titel „Beste Band der Welt“ verdienen ist Ansichtssache.
Fazit: Es fehlt Champagne Supernova, aber sonst alles was man braucht.
Parkway drive – Deep blue (2010)
Durchschnittlicher Anfang, trotzdem gefällt die gute Produktion. Schnell, gut gebrüllt doch manchmal fehlt andererseits Irgend etwas. Eine Freundin von mir sagte, „Man wartet, dass jetzt im Song etwas passiert, aber das tut es nicht.“ Warum schafft es dieses Album trotzdem in meine Top 10? Weil ich nicht von der Platte lassen kann. Es mag nichts Besonders an den 13 Tracks sein. Nichts desto trotz erinnert mich Winston McCall bei manchen Stellen an Freddie Madball, dann wieder an Tim Lambesis (As I lay dying) und vom Aussehen sind die Australier in der Hauptschule stehengeblieben (was sie zusätzlich sympathisch macht). Außerdem bringt das wiederholte Lauschen mit jedem Mal etwas Neues. Ein heavy Riff hier, ein gekonnter Rhythmuswechsel da. Sleepwalker begeistert mit dem Ohrwurm-Gitarrenriff, Deadweight bringt den Mosh-Beat, der nicht fehlen darf und mit Alone ist eine Rock Ballade gekonnt mit auf der Playlist. Ausserdem tut es gut eine Band zu entdecken, die begeistern kann, gerade dann wenn man von sich selbst behauptet, im Heavy-Bereich schon viel gesehen und gehört zu haben.
Fazit: Die könnten’s weit bringen…